05.12.2014: “Sonata Tragica”

russische und ukrainische Musik
- globale Verflechtungen -
 
Elisaveta Blumina (Klavier)
 
Mit ihrem untrüglichen Gespür für das Außergewöhnliche, bringt die Echo Klassik
Preisträgerin 2014als Kosmopolitin selber Trägerin und Bewahrerin
der großen russischen Klaviertradition – die „Welten“ russischer und
ukrainischer Komponisten des 20. Jhs zum Klingen.
 
Die Komponisten:
emigriert und im Westen zuhause, aber verkannt,geflohen und lange Zeit
unerkannt, daheim geblieben und weltweit bekannt…
 
Ihre Musik:
zwischen Klassik, Romantik und Moderne,
zwischen Russland, Amerika und Europa,
zwischen Tradition und Experiment…
Entdeckungen!
 
Konzertflyer zum Download
 
 
Programm:
 
Ivan Tcherepnin (1943 – 1998)

Four Pieces from before (1957-62)

For Christmas – Valse – Vernal Equinox – Riding the Clouds

Mieczysław Weinberg (1919-1996)

Sonate Nr. 4 h-Moll, op. 56 (1955)

Allegro – Allegro – Adagio – Allegro

Pause

 Alexandra Filonenko (*1972)

Fünf Klavierstücke (1996)

Marsch – Das Kind, das seine Stimme fand -Wenn Fische sprechen könnten – Gavotte – „Si“ (italienisch für “ja”)

 Valentin Silvestrov (*1937)

div. Walzer

 Nikolai Medtner (1880-1951)

Sonata tragica“ h-Moll, op. 39 Nr. 5 (1919-20) (aus dem Zyklus II “Vergessene Weisen”)

 

Der musikalische Werdegang der Pianistin Elisaveta Blumina wurde von keinem anderen Komponisten stärker beeinflusst als von Johannes Brahms. Sechzehnjährig debütierte die gebürtige St. Petersburgerin mit dem Leningrader Symphonieorchester und führte Brahms’ Klavierkonzert Nr. 1 auf. Später folgte der Umzug nach Hamburg, wo die junge Pianistin ihr Studium fortsetzte und im Alter von 23 Jahren als Preisträgerin mehrerer internationaler Wettbewerbe, darunter dem Internationalen Brahms Wettbewerb, den Grundstein für ihre pianistische Karriere legte. Ihre Einspielung der Klavierstücke op. 76 und der Klaviersonate Nr. 2 von Johannes Brahms fand allseits große Anerkennung.

 Neben dem klassischen Repertoire setzt sich Elisaveta Blumina intensiv mit der Musik des 20. und 21. Jhs auseinander. Davon zeugen ihre international viel beachteten Aufnahmen der Werke des polnisch-jüdischen Komponisten Mieczysław Weinberg, für dessen Wiederentdeckung sich Blumina unermüdlich einsetzt. Beim Label cpo entsteht z.Zt. eine Serie von CDs mit Klavier- und Kammermusikwerken Weinbergs. 2014 wirkte sie auch mit beim Weinberg-Projekt der Kronberg Academy unter Leitung von Gidon Kremer. Gerade wurde Elisaveta Blumina vom Label Naxos für eine langfristige Kooperation gewonnen und wird weitere sowjetische und moderne russische Literatur (Valentin Silvestrov, Giya Kancheli, Galina Ustwolskaja usw.) einspielen.

Internationale Anerkennung erspielte sich Elisaveta Blumina durch Auftritte in der Carnegie Hall (New York), der Berliner Philharmonie, der Hamburger Laeiszhalle, der Beethovenhalle Bonn und der National Concert Hall Dublin. Als Solistin trat sie mit vielen renommierten Orchestern auf – darunter die Dresdner Philharmoniker, das Philharmonische Staatsorchester Hamburg, das Malaysian Philharmonic Orchestra, die Sinfonia Varsovia, die Staatskapelle Halle sowie die Moskauer Virtuosen. Zu den Dirigenten, mit denen die Pianistin zusammenarbeitet, zählen Thomas Sanderling, Andrey Boreyko, Jurij Temirkanov und Vladimir Spivakov.

 Darüber hinaus ist Elisaveta Blumina eine gefragte Kammermusikerin. Zu ihren Partnern zählen Kolja Blacher, Pierre Amoyal, John Zorn, das Artemis Quartett, das Vogler Quartett, Wenzel Fuchs, Hans-Udo Heinzmann, Johannes Moser, Marina Prudenskaya und Vassily Lobanov. Ferner ist sie ein gern gesehener Gast bei den Festivals in Verbier, Lockenhaus, Colmar und beim Schleswig-Holstein Musik Festival.

 Elisaveta Bluminas besondere Affinität zu den Streichinstrumenten dokumentiert sich in ihrer alljährlichen Mitarbeit beim Wettbewerb des Deutschen Musikinstrumentenfonds der Stiftung Musikleben, ihre Liebe zu den Blasinstrumenten durch eine schon mehrjährige Partnerschaft mit dem Bläserquintett der Staatskapelle Berlin. Ihre Tätigkeit als Liedbegleiterin wurde mehrfach bei internationalen Gesangswettbewerben prämiert. Im Jahre 2008 gründete sie gemeinsam mit Kalev Kuljus (Solo-Oboist des NDR Sinfonieorchesters Hamburg) und Mathias Baier (Solo-Fagottist der Staatskapelle Berlin) das “Ensemble Blumina”. Die erste CD-Einspielung dieses Ensembles beim Label Dabringhaus & Grimm mit Trios von Poulenc, Francaix und Previn erntete enthusiastische Kritiken und wurde sogar mit dem ECHO Klassik-Preis 2014 prämiert.

 Elisaveta Blumina wuchs in der großen Tradition der berühmten russischen Klavier-Schule auf. Sie begann ihre Ausbildung am Rimskij-Korsakow-Konservatorium St. Petersburg. Später setzte sie ihre Studien als Stipendiatin der Oscar und Vera-Ritter Stiftung und der Deutschen Stiftung Musikleben an der Hamburger Musikhochschule bei Evgeni Koroliov und am Konservatorium in Bern bei András Schiff und Bruno Canino fort. Auf spezielle Einladung wurde sie in London von Radu Lupu unterrichtet.

Die Ansprache des jungen Publikums und die Arbeit mit Nachwuchsmusikern ist Elisaveta Blumina sehr wichtig, sowohl als Dozentin als auch als Jurorin bei zahlreichen Wettbewerben. Diese Idee verfolgt Blumina auch konsequent bei der Programmgestaltung für das Russische Kammermusikfest Hamburg, dessen künstlerische Leiterin sie seit 2012 ist. Die Wiederentdeckung vergessener oder unterschätzter russischer Komponisten, unentdeckter „Juwelen der Kammermusik“, aber auch die Förderung besonders begabter junger Musiker sind ihr ein großes Anliegen.

 Elisaveta Blumina ist eine kosmopolitische Künstlerin: Ihre wechselnden Tätigkeitsfelder in Italien, der Schweiz, Spanien, den USA, Irland und seit einigen Jahren in Hamburg und Berlin erlauben ihr eine „Weitsicht auf das Detail“ – eine künstlerische Reflexion des Wesentlichen – und darum international-emotionalen. Und doch gilt sie, insbesondere in ihrem Klavierspiel, unverkennbar als eine Trägerin und Bewahrerin der großen russischen Klavier-Tradition.