13.05.2011 16.06.2011: Silvestrow + Schostakowitsch

Achtung Terminverschiebung:

wegen einer Erkrankung wird das Konzert statt am13. Mai am 16. Juni stattfinden.


Nurit Stark (Violine), Cédric Pescia (Klavier) und Olga Dowbusch-Lubotsky (Violoncello) spielen Silvestrov und Schostakowitsch.

P r o g r a m m:

Valentin Silvestrov (*1937)
Drama (1971)
für Violine, Violoncello und Klavier

I. Sonate für Violine und Klavier
II. Sonate für Violoncello und Klavier
III. Trio für Violine, Violoncello und Klavier

P a u s e

Dmitri Schostakowitsch (1906 -1975)
Klaviertrio Nr. 2 op. 67 (1944)
e-Moll

I. Andante
II. Allegro con brio
III. Largo
IV. Allegretto

Valentin Silvestrov über sein Werk “Drama”

„Eigentlich ist dies ein Trio für Violine, Violoncello und Klavier. Es gibt hier drei Sätze, die attacca ineinander übergehen. Eine Violinsonate geht über in eine Cellosonate und danach folgt das Trio. Diese Übergänge gehören zur Komposition, weil es hier Elemente des Instrumentaltheaters gibt. Zuerst erklingt eine Violinsonate, wenn sie endet, geht die Musik in Geräusche und Gesten über, ein Streichholz wird angezündet und ausgepustet, es entsteht eine gewisse Verwirrung; in diesem Moment tritt die Cellistin auf, man hört die Schritte, aber diese Störungen gehören zur Musik. Am Ende der Cellosonate kommt auf ein bestimmtes Signal hin die Geigerin hereingelaufen und spielt mit der Bogenspitze im Innern des Flügels, danach beginnt das Trio.

Der Titel „Drama“ hat mehrere Bedeutungen. Einen direkten, denn hier gibt es eine Ursprungsdramatik, eine menschliche, situationsgebundene, in der wir damals lebten… Außerdem ist es das Drama der Musik selbst: Die Musik durchlebt verschiedene Begegnungen, Dialoge, Konfrontationen… Das modale musikalische Material hat eine themenähnliche Gestalt, dort aber, wo das Sonore und Geräuschhafte überwiegt, wird die Idee als Gestus geprägt.

Was lässt sich über diesen Stil sagen? In diesen Jahren durchlebten überall in der Welt die Komponisten, die avantgardistische Musik schrieben, irgendeine fundamentale Krise. Die Möglichkeiten der früheren „Sterilität“ waren ausgeschöpft… Das weltumspannende Kloster hatte einen Riss bekommen… Ich wollte damals alle musikalischen Systeme – das modale, tonale, atonale und dodekaphonische System – zu einer Einheit bringen. Das heißt, ich bin von Klangsystemen ausgegangen, nicht von Stilen. Das Klangsystem ist dem Stil übergeordnet. Um diese Einheit zu ermöglichen, ist es nötig, dass bereits im Anfangsimpuls der Idee, wie in einem Augenblick, alle Systeme potenziell, jedoch unmerklich vorhanden sind.

Das Klaviertrio Nr. 2 komponierte Dmitri Schostakowitsch im Gedenken an Iwan Sollertinski, der im Februar 1944 einen Herzinfarkt erlitten und überraschend gestorben war. Vier Tage später schrieb der Komponist an die Witwe: „… Das Unglück, das mich traf, als ich vom Tode Iwan Iwanowitschs erfuhr, kann ich nicht in Worte fassen. Er war mein nächster und teuerster Freund. Meine ganze Entwicklung verdanke ich ihm. Ohne ihn zu leben, wird mir unerträglich schwer fallen. … „ Zu diesem Zeitpunkt hatte Schostakowitsch bereits den ersten Satz des Klaviertrios komponiert. Die weiteren Sätze entstanden innerhalb von nur knapp 3 Wochen im Sommer desselben Jahres, den Schostakowitsch in Iwanowo, im Erholungsheim des Komponistenverbandes, verbrachte – fern, doch nicht gänzlich unberührt vom Verlauf des tobenden Weltkrieges.

Nurit Stark wurde 1979 in Tel Aviv geboren. Sie studierte an der Rubin Academy Tel Aviv, der Juilliard School of Music New York, an der Musikhochschule Köln und an der Universität der Künste in Berlin. Sie nahm an verschiedenen Kammermusik-Festivals teil und ist Preisträgerin zahlreicher Wettbewerbe (u.a. Triest, Bukarest, Augsburg, Berlin). Als Solistin trat sie in wichtigen Konzerthäusern Europas und der U.S.A. auf, z.B. mit dem São Paulo Symphony Orchestra, der Israel Sinfonietta, dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks und dem Israel Philharmonic Orchestra (unter Zubin Mehta). Seit 2001 ist sie Mitglied des Klaviertrios „Esart Trio Berlin“.

Cédric Pescia, in Lausanne geboren, studierte in der Schweiz, an der Universität der Künste in Berlin und in Italien. 2002 gewann er in Salt Lake City einen der renommiertesten Klavierwettbewerbe der Welt. Als Solist trat auch er weltweit in bedeutenden Konzertsälen auf. Außerdem war er bei großen europäischen Festivals zu hören. Seine CD-Aufnahmen (u.a. eine mit Nurit Stark) haben beste Kritiken erhalten. Pescia organisiert und leitet die Lausanner Kammermusik-Reihe „Ensemble enScène“.

Olga Dowbusch-Lubotsky wurde in Saratow (Russland) geboren. Sie studierte an der Musikfachschule beim Moskauer Konservatorium und an der Hamburger Musikhochschule bei Prof. Mehlhorn. Heute ist sie Dozentin für Violoncello an der Alfred-Schnittke-Akademie Hamburg. Als Kammermusikerin und Solistin konzertierte sie in Deutschland, Spanien, Holland, Frankreich, Dänemark, Finnland, Russland und in den U.S.A. Seit Jahren ist sie mit Mark Lubotsky und Brenno Ambrosini Mitglied des Lubotsky-Trios.