24.09.2010: Klavierabend: Ivan Sokolov

Am 24. September, ab 19:00 Uhr, in der Alfred Schnittke Akademie,Max-Brauer-Allee 24, Hamburg-Altona

19:00 : Einführung in das Programm des Abends durch Herrn Sokolov
20:00: Konzert

Das Programm:

Alexander Scriabin und russische Komponisten der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts

Alexander Scriabin (1872-1915)
3 Stücke op. 45  – Andante Piácevole – Poème phantastique – Prélude
3 Stücke op. 49  – Etude – Prélude – Rêverie
4 Stücke op. 51  – Fragilité – Prélude – Poème ailé – Danse languide
3 Stücke op. 52  – Poème – Enigma – Poème languide
2 Stücke op. 57 – Désir – Caresse dansée
Albumblatt op. 58
2 Stücke op. 59 – Poème – Prélude
Poème-Nocturne op. 61
Sonate Nr. 7 op. 64
« Messe Blanche »

PAUSE

Edison Denissow (1929-1996)
3 Präludien (1994)

Alexander Wustin (*1943)
3 Lieder von Toropetz (1972)
Lamento (1984)
„Good bye!“ (2008)

Nikolaj Karetnikow (1930-1994)
2 Stücke (1975)

Viktor Ekimovsky (*1947)
Mondscheinsonate, Komp. Nr. 60 (1993)

Faradsch Karajew (*1943)
Postludium (1990)

Ivan Sokolov (*1960)
„Am Himmel“ (1992)
13 Stücke (1990)

Ivan Sokolov kann man als eine Symbiose bezeichnen, wie man sie heute nur noch selten trifft: Er ist ein begabter Komponist und gleichzeitig ein richtiger, regelmäßig konzertierender Pianist. Sein im höchsten Maße virtuoses Spiel dient niemals einem Selbstzweck, es trägt Aufklärungscharakter. Auf Sokolovs Konto gehen so viele Uraufführungen, dass er in dieser Hinsicht kaum übertroffen werden kann. Regelmäßig nimmt er an Festivals Neuer Musik teil – in Russland wie in Westeuropa und den USA. Das kompositorische Talent verursacht jedoch auch ein besonderes Verhältnis zur älteren Musik, in der Sokolov Dinge bemerkt, die „normale“ Pianisten manchmal übersehen. Wenn Sokolov, dieser unberechenbare und zu Experimenten bereite Musiker spielt, ist dies daher immer ein interessantes und erfrischendes Ereignis.

Die Überschrift des Konzertprogramms spricht für sich: Scriabin ist nicht einfach nur ein „Avantgardist“ zu Beginn des 20. Jahrhunderts, er ist auch Schöpfer der wohl vollendetsten Formen in der russischen Musik überhaupt. Allumfassend und vielseitig war sein Einfluss, dessen Wirkung man nicht bloß auf Nachahmung reduzieren kann: Er erhob die Klaviermusik Russlands allgemein auf eine vollkommen neue Ebene.

Der zweite Teil des Konzertes ist ausschließlich der Musik Moskauer Komponisten der Nachkriegsgeneration gewidmet. Einige dieser Namen sind auch international bekannt.

Da der Solist des heutigen Abends selber den Wunsch geäußert hat, der Interpretation dieser Werke seine Kommentare vorauszuschicken, bleibt uns nichts anderes übrig, als ihm herzlich dafür zu danken.

Ivan SokolovIvan Sokolov (*1960) studierte von 1978 bis 1893 am Moskauer Tschaikowsky-Konservatorium Klavier und Komposition u.a. bei Lev Naumov und Nikolaj Sidelnikov. Während sein Konzertrepertoire in der ehemaligen Sowjetunion insbesondere moderne Musik von „erlaubten“ Komponisten wie Prokofjew, Schönberg, Schostakowitsch, Hindemith, Bartók, Strawinsky u.a. umfasste, spielte Sokolov mit der Öffnung des Ostens zunehmend Musik von Stockhausen, Kagel, Crumb, Feldman, Cage und Boulez, der bei der Aufführung seiner 2. Sonate zu den Zuhörern zählte. Insbesondere aber setzt er sich für zeitgenössische russische Komponisten ein. So war er z.B. Mitbegründer des renommierten Moskauer Musik-Festivals ALTERNATIVA und spielte das gesamte Klavierwerk von Galina Ustwolskaja auf CD (Megadisc) ein. Er arbeitete mit so bedeutenden Musikern wie M. Agerich, N. Gutman, T. Gridenko, A. Boreyko, A. Lazarev, A. Lubimov und M. Pekarski zusammen. Als Komponist schuf Sokolov bereits ein umfassendes Œuvre bestehend aus Klavier- und Kammermusik, Vokalzyklen, Orchesterwerken und einer Kammeroper. Seit 1988 unterrichtet er am Moskauer Konservatorium und seit 2006 auch an der Russischen Gnessin-Musikakademie.