25.09.2009: Duo: Elina Katchalova und Oleg Khudyakov

Die Interpreten: 

Oleg  Khudyakov ( Flöte) und Elina  Katchalova (piano)

 

Oleg  Khudyakov und Elina  Katchalova

Am 25. September 2009, um 20:00 in der Alfred-Schnittke-Akademie, Max-Brauer-Allee 24, Hamburg-Altona

Das Programm:

Joseph  Haydn (1732 – 1809):
Sonate für Flöte und Piano G-Dur, op.77  Nr.  1
Allegro moderato – Adagio – Presto
Ignaz Moscheles (1794 -1870):
Sonata concertante A-Dur, op. 44 für Flöte und Piano
Allegro fiero – Andante – Scherzo. Allegro vivace – Rondo. Alla Pollacca

Pause

Ivan Tcherepnin (1943-1998):
"Pensamiento" für Flöte und Piano (1996)

Edisson Denisov (1929 – 1996)
Vier Stücke für Flöte und Piano (1977)
Lento-Allegretto-Molto tranquillo-Agitato

Ludwig van Beethoven (1770 – 1827)
Sonate für Violien und Piano C Moll, op.30  Nr.  3
Übertragen für Flöte und Piano von Louis Francois Philippe Drouet (1792 – 1873)
Allegro con brio – Adagio cantabile – Scherzo (Allegro) – Finale (Allegro)

Zum Programm:

Joseph Haydn repräsentiert modellhaft die Idee der Klassik, in der Schönheit und wechselvolle Gegensätze  in einem ausgewogenen Spannungsverhältnis stehen. Auf die Frage, wie er komponiere, hat er einmal geantwortet:  "Ich bete solange, bis mir der Herr eine gute Melodie schickt. Alles Weitere ist Technik."
Die Werke des heutigen Abends illustrieren hervorragend auch noch einen anderen Gedanken  Haydns: "Der Stil des Musikers – das ist immer er selbst." Die Sonata concertante von Ignaz Moscheles, einem Schüler Beethovens, gibt uns einen Eindruck von diesem glänzenden Salonmusiker seiner Zeit, in dessen Stil sich Virtuosität mit Eleganz verbindet.
 
Zu den wichtigsten Schülern Haydns zählt der junge  Beethoven, obwohl dessen Unterricht bei dem Altmeister nur etwas länger als ein Jahr dauerte. Vervollkommnung in der Kompositionstechnik hatte der junge Beethoven bei Haydn gesucht. Er war bestrebt, seine Kenntnisse zu ordnen. Er war nicht zu Haydn gekommen, um schöpferische Ideen von ihm zu entlehnen; die hatte er selbst genug. Haydn wiederum war wenig geneigt, sich mit Kontrapunktübungen und Harmonieaufgaben zu beschäftigen. Der Hauptgrund für den Abbruch ihrer Beziehungen ist jedoch am ehesten im Unterschied der Charaktere beider Komponisten zu suchen. Als Beethoven den Klavierauszug zum Fidelio, den er beim zwanzigjährigen Ignaz Moscheles in Auftrag gegeben hatte, durchgelesen hatte, schrieb er auf die letzte Manuskriptseite: "Beendet mit Gottes Hilfe" und weiter unten fügte er hinzu: "Oh, Mensch! Hilf dir selbst."
Möglich ist auch, dass Haydn die neuartigen Ideen seines Schülers nicht gefielen. Als Beethoven den alten Haydn um seine Meinung über seine ersten Arbeiten bat, habe dieser nach einer Reihe von Komplimenten folgende Bemerkung gemacht: "Sie machen auf mich den Eindruck eines Menschen, der mehrere Köpfe, mehrere Herzen und mehrere Seelen hat." Und nach einigem Zureden Beethovens – "Ich werde sehr verärgert sein, wenn Sie nicht ehrlich Ihre Gedanken äußern" – habe er hinzugefügt: "Gut, wenn Sie es wollen, sage ich, dass meiner Meinung nach in Ihrem Schaffen etwas, ich würde nicht sagen Seltsames, doch Unerwartetes, Ungewöhnliches ist " selbstverständlich sind Ihre Sachen schön, es sind sogar wunderbare Sachen. Doch hier und da stößt man auf etwas Seltsames, Finsteres, da Sie selbst ein wenig mürrisch und sonderbar sind: denn der Stil eines Musikers " das ist immer er selbst".

Haydns  zutreffende Bemerkungen offenbaren einen wichtigen Aspekt in Beethovens Musik: das Nebeneinander unterschiedlichster Momente, die dennoch zu einem Ganzen zusammenwirken.  Die musikalische Darstellung spannungsreich widerstrebender Inhalte bei Beethoven wirkt bis in unsere Zeit fort und wurde wesentlicher Bestandteil im Wertekanon der Moderne.

So fügen sich die Kompositionen von Ivan Tcherepnin (der u.a. bei Boulez und Stockhausen studierte) und Edisson Denisov folgerichtig in das Konzertprogramm ein. Beide Komponisten zeichnet ein eigenständiger Stil aus, indem sie " jeder auf seine Weise " klassische Proportionen mit Einflüssen und Errungenschaften der Moderne verbinden sowie freie, nichttonale Tonsysteme und aphoristische Stilmittel verarbeiten.

Zwei Interpreten mit diesem Hintergrundwissen und ausgeprägten Fähigkeiten musikalischer Darstellung versprechen diese wesentlichen Momente für den Hörer erlebbar zu gestalten. 
Beide haben in Moskau am Konservatorium studiert.
Sie blicken  zurück auf vielfältige Konzertreisen als Solisten mit Sinfonieorchestern oder in Kammermusikbesetzungen, bei denen sie sich jeweils reichhaltige Kenntnisse aneigneten.
Mit Neuer Musik haben beide insbesondere am Moskauer Konservatorium während  ihrer beruflichen Tätigkeit  Erfahrungen  gesammelt.