30.01.2009 Alexej Lubimov Trio

Alexej Lubimov

Alexej Lubimov kommt mit seinem Trio nach Hamburg.

Ein Programm der Gegensätze: introvertiert konzentrierte Stille steht expressivem Gestus mit überraschenden Momenten gegenüber. Ein solches Programm fordert Musiker, die stille Musik mit innerer Anspannung und Konzentration gestalten und einfache Passagen mit erzählerisch dichter Phrasierung darstellen. Expressive Teile fordern Energie, Tempo und selbstverständlich Virtuosität.

Genau dieses Können bringen in herausragender Weise die drei Musiker mit.

Ausführende:

Alexei Lubimov: Klavier

Alexander Trostiansky: Violine, Viola

Kyrill Rybakov: Klarinette, Bassklarinette

  

Das Programm:

Galina Ustwolskaja (1919-2006)
Trio für Klarinette, Violine und Klavier (1949)
Espressivo – Dolce – Energico

Valentin Silvestrov (*1937)
Post Scriptum, Sonate für Violine und Klavier (1990)
Largo.Allegro – Andantino – Allegro vivace.Allegretto

Igor Strawinsky (1882-1971)
Suite aus “L’Histoire du Soldat” (1919)
1. Marche du Soldat
2. Le violon du Soldat
3. Petit concert
4. Tango – Valse – Rag
5. Danse du Diable

Pause

György Kurtág (*1926)
Hommage à R.Sch. op. 15 d (1990)
für Klarinette (auch gr. Trommel), Viola und Klavier
1. (merkwürdige Pirouetten des Kapellmeisters Johannes Kreisler)
2. (E.: der begrenzte Kreis)
3. (…und wieder zuckt es schmerzlich F. um die Lippen)
4. (eine Wolke war ich, jetzt scheint die Sonne…)
5. In der Nacht
6. Abschied (Meister Raro entdeckt Guillaume de Machaut)

Sofia Gubaidulina (*1931)
Punkte – Linien – Zickzack
für Bassklarinette und Klavier (1976)

Béla Bartók (1881-1945)
„Kontraste“, Trio für Klarinette, Violine und Klavier (1938)
1. Verbunkos (Rekrutentanz). Moderato, ben ritmato
2. Pihenö (Rast). Lento
3. Sebes (Schneller Tanz). Allegro vivace
 

Zu den Werken:

Ihr Trio schrieb Galina Ustwolskaja nur zwei Jahre nach Absolvierung der Kompositionsklasse von Schostakowitsch am Leningrader Konservatorium; es ist eines der ersten Werke, das die Komponistin für ihren Werke-Katalog gelten ließ.
Obwohl thematisch noch (scheinbar) neoklassisch geprägt, zeigt sich bereits hier ihr eigenwilliger, ausgesparter Stil: strenge Linearität, klare Gesten, schroffe Gegensätze, hartnäckige Rhythmen, perkussive Klavierklänge.  Das von der Klarinette im Finalsatz im pppp intonierte Thema hat Schostakowitsch 1952 in seinem 5. Streichquartett und 1974 in seiner Suite nach Versen von Michelangelo zitiert. Er sagte, dieses Thema habe ihn regelrecht verfolgt.

Post Scriptum versteht der ukrainische Komponist Valentin Silvestrov als „Postscriptum zu Mozart und, in einem weiteren Sinn, zur Klassik“ bzw. Neoklassik, deren Ende noch nicht absehbar sei.
Doch Silvestrov verwendet klassische Elemente, um damit eigene Absichten zu verwirklichen: Er lässt Themen und Perioden auf der Stelle kreisen, evoziert eine verlangsamte, schwärmerische „Träumerei“ und verleiht den Weiten und der Trauer einer Seelenlandschaft klanglichen Ausdruck. Reminiszenzen am Ende des dritten Satzes wirken wie Sterbeglöckchen in einer weiten, leeren Landschaft auf einem alten Gemälde.

Igor Strawinskys L’Histoire du Soldat, ein Klassiker des 20. Jahrhunderts, entstand im Jahre 1917 für 7 Instrumente samt Erzähler, Schauspielern und Tänzern, womit er die Grenze zwischen Musiktheater, Ballett und Kammermusik verwischte. Einige Monate später arrangierte er fünf der acht Sätze zu einer Suite in Triobesetzung.

Hommage à R.Sch. von György Kurtág sind sechs, zumeist nur wenige Takte umfassende Charakterstücke („jeder Moment soll wesentlich und wichtig sein“), deren Überschriften sich auf literarisch-musikalische Figuren der Romantik beziehen: auf E.T.A. Hoffmanns Kreisler, Schumanns empfindsamen Eusebius, seinen stürmischen Florestan und den die Rechte der Tradition einklagenden Meister Raro, auf einen Tagebucheintrag Kafkas und einen Vers des ungarischen Dichters Attilá Joszef.

Punkte, Linien, Zickzack ist ein Auftragswerk des Prager Duos Josef Horák und Emma Kovárnová, das dieses eigenwillige Werk von Sofia Gubaidulina mit Virtuosität und Experimentierfreudigkeit 1977 in Berlin uraufführte. Der Werktitel weist bereits auf die äußere Erscheinung des Notenbildes hin, das eher von zahlreichen Klangereignissen in metrisch freier Gliederung als von polyphonem Strukturdenken bestimmt ist.

Béla Bartóks Komposition Kontraste entstand auf Anregung des ungarischen Geigers Joszef Szigeti und des amerikanischen Klarinettisten Benny Goodman, die das Werk mit Bartók am Klavier 1940 in New York uraufführten. Der ständige Wechsel zwischen solistischen und kammermusikalischen Passagen ist diesen außergewöhnlichen und unterschiedlichen Virtuosen auf den Leib geschrieben; insbesondere vor Goodman und dem Gestus der Jazz-Musik verneigt sich Bartók mit einer großen Kadenz im Ende des ersten Satzes.
 

Die Ausführenden:

Alexei Lubimov, 1944 in Moskau geboren, war einer der letzten Schüler des legendären Klavierpädagogen Heinrich Neuhaus. Heute ist er einer der bedeutendsten und international bekanntesten Pianisten Russlands. Früh begann Lubimov dem Moskauer Publikum in einer Reihe sowjetischer Erstaufführungen die Komponisten der westlichen Avantgarde vorzustellen, bis ihn in den 70er Jahren immer stärkere Restriktionen zwangen, sich neu zu orientieren: Er gründete das Moskauer Barockquartett, mit dem er Alte Musik auf historischen Tasteninstrumenten aufführte – auch eine Pioniertat in der damaligen Sowjetunion. Seit 1988 leitet Lubimov das von ihm gegründete Moskauer Avantgarde-Festival „Alternativa“. Alexei Lubimov ist Professor für Klavier und Hammerklavier am Mozarteum in Salzburg.

Kyrill Rybakov, 1977 in Moskau geboren, begann im Alter von fünf Jahren Klarinette zu spielen. Er studierte in Moskau, später in Paris und Freiburg. Seit 2003 ist er Leiter einer Klarinetten-Klasse am Moskauer Konservatorium. Rybakov ist gleichermaßen Spezialist für historische Klarinetten und das frühe Klarinetten-Repertoire wie auch für zeitgenössische Musik. Bei internationalen Festivals ist er regelmäßig als Solist und Kammermusiker zu Gast.

Alexander Trostiansky, 1972 in Nowosibirsk geboren, studierte zunächst in seiner Heimatstadt und ab 1990 bei Irina Bochkova am Moskauer Konservatorium, wo er seit 1999 Dozent ist. Trostiansky wurde mehrfach mit Preisen ausgezeichnet, u.a.1990 beim Paganini-Wettbewerb in Genua und 1998 beim Tschaikowsky-Wettbewerb in Moskau. Er war Mitglied der Moskauer Solisten, tritt auf internationale Festivals auf und hat bereits zahlreiche CD-Aufnahmen vorzuweisen. 2007 wurde ihm der Titel „Verdienter Künstler Russlands“ verliehen.