5. 10. 2007: Ein Abend mit Alexej Lubimov

Ein Abend mit Alexej Lubimov am 5. 10. 2007, 20:00 Uhr, im Konzertsaal (ehemals Musikseminar Hamburg), Hamburg, Max-Brauer-Allee 24

Erinnerung

Musik von Vladimir Martynov und Valentin Silvestrov

Zwei Komponisten arbeiten und schöpfen aus Erinnerung, jeder auf seine Weise. Beide knüpfen an historische Harmonik an, entwickeln daraus eine zeitlose Post-Avantgarde, aber mit verschiedenen kompositorischen Bedeutungen und Lebenshaltungen.

Vladimir Martynov erinnert sich an einen Satz von Michel Foucault in Verbindung mit der Erinnerung an den Tod eines Freundes: „ … man kann dann versichern, der Mensch wird verschwinden, wie ein Gesicht in den Sand gezeichnet“. „Dances on the Shore“ besteht aus einzelnen Formeln, die in verschiedener Zusammensetzung wiederholt werden. Zur Mitte bildet sich ein Gesamtbild, das langsam wieder zerfällt. Die Klänge erscheinen uns bekannt, der Aufbau erzeugt jedoch in seinen kreisenden Wiederholungen eine fast statische Musik, welche entfernt an Rituale denken lässt wie häufig bei Kompositionen von Martynov, die an sehr alte archaische Musik erinnert: eine Musik des Seins.
Zur Komposition gehört ein gleichzeitig ablaufender Video-Film, der die kreisende Sogwirkung des Ganzen mit trägt.

Anders der 1937 geborene Valentin Silvestrov, der nach einer avantgardistischen Periode immer mehr an der Romantik anknüpft und dabei das Klangmaterial eher vereinfacht also verallgemeinert, es zeitlos macht. Dabei konzentriert er sich auf das Aushorchen des Tones und Klanges und der Stille dazwischen. Für Silvestrov ist die Fortsetzung der avantgardistischen Bewegung vertontes Schweigen, ein Nachhorchen ein Postludium, vielleicht ein „genaueres“ Erinnern an die Kultur vor der Avantgarde, was er selbst „Metamusik“ nennt.

Diese Musik erfordert vom Interpreten großes gestalterisches Können. Man darf sich hier nicht von der scheinbaren Einfachheit des Notentextes verführen lassen.

Alexey LubimovAlexej Lubimov ist ausgewiesener Spezialist für solche Aufgaben.
Mit seiner Spielweise bewältigt er expressive Werkpassagen ebenso wie introvertiert verhaltene, den Klang aushorchende Kompositionen. Selbst einfachste Notentexte werden von ihm wie eine lebendige Erzählung gestaltet, so dass diese Spannung und Intensität erhalten. Komplizierte Kompositionen erstehen zu einem greifbaren Ganzen, werden verstehbare Gestalt.
Es kommt ihm darauf an,

„ ..dass bei jeder Aufführung die Komposition wie ein Wesen neu geboren wird, ihm Atem und Leben eingegeben wird“.

Alexej Lubimov, der noch beim legendären Heinrich Neuhaus studierte, ist damit Einer der bedeutendsten Pianisten unserer Zeit, der sich insbesondere für die zeitgenössische Musik eingesetzt hat.
So gründete er 1988 während der Gorbatschow-Zeit das Festival „Alternativa“ in Moskau.
Jetzt ist er weltweit unterwegs seine musikalische Botschaft zu verbreiten; in Solo- und Kammermusik-Abenden mit Sinfonie-Orchestern und auf vielen CD´s.
Bei unseren Belaieff-Konzerten war er bereits zu Gast.

Das Programm:

Musik, Dimension der Er-Innerung

Vladimir Martynov (geb. 1946) - „Dances on the Shore“ (2003)
(Tänze auf dem Strande)
für Klavier und Video – Projektion
Pause
Valentin Silvestrov (geb. 1937) - Komponistenporträt zum 70ten Geburtstag :
Elegie (1967)
25. 10. 1893….zum Andenken von P.I. Tsch.
1. Preludio-„ Geburt der Melodie“
2. Wiegenlied

Drei Bagatellen (2005-2006)

2. Sonate in einem Satz (1975)

Drei Walzer (2005)
1. A. Schönberg gewidmet
2. A. Webern gewidmet
3. A. Berg gewidmet

Postludio (5. Satz der 4. Sonate, 2005)

am 5. Oktober 2007 um 20:00 Uhrim Konzertsaal (ehemals Musikseminar)
Hamburg AltonaMax-Brauer-Allee 24