19.05.2006: Komponisten-Porträtkonzert Galina Ustwolskaja

.. ein Komponisten-Porträtkonzert

Am Freitag, dem 19. Mai 2006, 20:00 Uhr im Musikseminar Hamburg, Max-Brauer-Allee 24

Kraftvoll direkte Einfachheit, Klarheit in der Botschaft; so eindringlich erscheint die Musik der Russischen Komponistin Galina Ustwolskaja. Nun kommt sie selbst zu ihrem Konzert nach Hamburg, eine außergewöhnliche Gelegenheit für uns, ihr zu begegnen.

Drei herausragende Musiker bestreiten das Programm:

Alexei Lubimov (Klavier), Vladimir Anohin (Violine), und Kirill Rybakov (Klarinette)

Programm:
Galina Ustwolskaja: 3., 5. und 6. Klaviersonate
Sonate für Violine und Klavier
Trio für Violine, Klarinette und Klavier

Wesentliches einfach sagen

Kraftvoll energetisch, schlicht direkt, klar in der Botschaft; so eindringlich erscheint die Musik der Russischen Komponistin Galina Ustwolskaja. Nun kommt sie selbst zu ihrem Konzert nach Hamburg, eine außergewöhnliche Gelegenheit für uns, ihr zu begegnen.

Am 17. Juni 1919 wurde Galina Ustwolskaja in Petersburg geboren. Sie studierte von 1937 an der Musikfachschule bis 1939 und am Rimski-Korsakov-Konservatorium bis 1947. Schostakowitsch war ihr Lehrer und war überzeugt, dass Ustwolskaja weltweite Anerkennung finden wird. Dieses findet erst jetzt statt, eine Folge der Sowjetzeit, während der ihre Musik als zu sperrig und eigenwillig abgetan wurde. Glücklicherweise bewirken heute diese Eigenwilligkeit und kompromisslose Entschiedenheit das Interesse an ihr. Der Stil ist äußerst selbständig, so daß Schostakowitsch sagte: „Nicht Du stehst unter meinem Einfluss, sondern ich unter Deinem“.

Kammermusik ist dieses nach eigenem Bekunden der Komponistin nicht. Zweifelsfrei richtet sich die Musik offensiv und mit eindringlicher Rhythmik an den Hörer. Mit Pausen voller Konzentration und klar gestufter, weit gespannter Dynamik kommt diese Musik uns geradlinig in ihrer Unbedingtheit entgegen und erzeugt so eine archaisch anmutende Wirkung.

Das Klavier steht im Mittelpunkt des Konzertes und entspricht damit der Rolle, die dieses Instrument für Ustwolskaja innehat. Die dritte einsätzige Sonate beginnt mit leisen Linien, laute drängende Passagen bauen sich stufenweise auf, unterbrochen von leisen Perioden der Einkehr, klar gegliedert endet die Sonate leise vergehend. Zehn Sätze birgt die fünfte Sonate, fast 30 Jahre später geschrieben. Sie beginnt prägnant mit einem fordernden Motiv, laute und kontemplativ leise Passagen wechseln schroff, so daß Ustwolskajas Stil deutlich hervortritt, was noch radikaler in ihrer kurzen aber gewaltigen sechsten Sonate zu erleben ist.

Das dreisätzige Trio für Violine, Klarinette und Klavier zählt zu einem der ersten von Ustwolskaja freigegebenen Werke. Es ist in seiner Motivbehandlung und Kontrapunktik noch eher neoklassizistisch ausgerichtet, zeigt jedoch bereits die typische rhythmische Hartnäckigkeit und klare Gestik auf.

Erst vierzehn Jahre nach der Entstehung konnte die Sonate für Violine und Klavier gedruckt werden und unterlag zunächst einem Aufführungsverbot. Bereits bei der Erstaufführung jedoch erwies sich die Komposition als äußerst erfolgreich.

Drei herausragende Musiker werden diese Werke interpretieren und garantieren intensive Hörerlebnisse. Sie sind aus vorhergehenden Belajeff-Konzerten vielen schon bekannt: so z.B. Vladimir Anohin mit seiner großen Bandbreite an Ausdrucksmöglichkeiten und zielgenauen Intensität.

Alexei Lubimov ist einer der wesentlichen russischen Pianisten von heute, gehört zu den wichtigsten Interpreten von Ustwolskajas Musik und ist mittlerweile durch zahlreiche CD-Veröffentlichungen international bekannt. Er brachte bereits seit 1968 Werke der westlichen Moderne und zeitgenössischen Musik Osteuropas in der Sowjetunion zur Aufführung. Dabei gründete und leitete er das bedeutende Festival „Alternativa“. All das führte zum Ausreiseverbot bis 1987 und er konnte erst seitdem international auftreten.

Kirill Rybakov studierte in Paris, Moskau und Freiburg mit ausgezeichneten Abschlüssen. Er gilt als der bedeutendste russische Klarinettist für alte und zeitgenössische Musik.