30.09.2005: Lubotsky-Trio: Borodin Schnittke Mozart

Lubotsky-Trio:
Die Gattung des Streich-Trios ist delikat, sie nötigt Komponisten zu durchsichtiger detailreicher Gestaltung und genauer Ausarbeitung von Klangmöglichkeiten. Das herausragende Lubotsky–Trio verleitet zum genauen Hinhören, um dieses Versprechen einzulösen. Klar ausgearbeitete Gegensätze und nuanciert sensible Feinarbeit prägen das Spiel des Streichtrios von Mark Lubotsky. Dieses fordert von den Musikern virtuoses Können, genaue gemeinsame Einfühlung und ständige Konzentration. Für den Hörer ergibt sich so ein eindringliches, phantasiereiches Hörerlebnis.
Das Programm:

Alexander Borodin, 1833-1887Trio für zwei Violinen und Violoncello g-moll
Alfred Schnittke, 1934-1998Trio für Violine, Viola und Violoncello
Pause
W. A. Mozart, 1756-1791Divertimento K – 563 für Streichtrio Es-Dur

Lubotsky – Trio:Mark Lubotsky, violineKatarina Andreasson, Violine, ViolaOlga Dowbusch-Lubotsky, Violoncello

Musikseminar
am 30.09.2005, 19:30 Uhr
Musikseminar Hamburg,Max-Brauer-Allee 24

Kompositionen:Die Einleitung bildet ein Trio für Streicher von Alexander Borodin. Er gehörte einem Komponistenkreis in St. Petersburg um Musorgski und Rimskj-Korsakow an, die sich einer speziellen russischen Ästhetik verschrieben hatten. Bald traf man sich bei dem Förderer Belaieff zu Konzerten und Diskussionen. Daraus entstand später die Belaieff-Stiftung.

Mozarts Divertimento bildet den Schluss des Konzertes. Wenngleich diese Form in damaliger Lesart eine unterhaltsame Komposition darstellt, ist dieses Werk Mozarts ein Wechselspiel von Ideen, melodischer Treffsicherheit und instrumenteller Virtuosität.

In der Mitte des Konzertes steht eine Komposition von Alfred Schnittke. Das Trio für Violine, Viola und Violoncello besteht aus zwei Sätzen und stellt eines seiner wichtigen Werke dar. Er schrieb es als Kompositionsauftrag für die Wiener Alban Berg-Gesellschaft 1985, und man mag Anklänge an Mahler und Berg heraushören.

Es ist aber in seinen Stilbrüchen ein typisches Schnittke-Werk. Polystilistik nannte er seine Kompositionsmethode. Verschiedene Stileinblendungen fungieren wie Frage und Antwort, Überraschungen wirken als Reaktion auf Vorangegangenes. Der dramatische erste Satz beginnt mit einem melodischen Motiv, dichte Akkorde drängen langsam und spannungsreich vorwärts und fallen in einen harmonischen, lauten Akkord, der wie eine plötzliche Lösung erscheint. Es folgt aber ein weiteres Suchen, das sich auch im ruhigen zweiten Satz fortsetzt.

Schnittke war eine selbstbewusste und zielstrebige Persönlichkeit. Dabei empfand er sein Leben dennoch als ständige Suche. Er wurde 1934 in Russland geboren und lebte die meiste Zeit seines Lebens dort. Mit Russland und seiner Kultur fühlte er sich verbunden; dazu eben auch mit westeuropäischer Musik, wie Bach Mahler und Alban Berg. Seine letzten 10 Jahre wurde Schnittke in Hamburg sesshaft und war als Professor ein bedeutender Lehrer an der Hamburger Musikhochschule.

So ungelöst wie sein Leben verklingt zielsuchend ohne Finale auch sein tragisch klingendes Streichtrio.