25.09.2004: José Gallardo, Solo-Klavierabend

25. September 2004 20:00 Uhr
Musikhalle Hamburg, kleiner Saal
Johannes-Brahms-Platz, links

Eintritt: 15,- € erm.: 10,- €

Kartenvorverkauf: Konzertkasse an der Musikhalle und bei der Konzertkasse Gerdes, Rothenbaumchaussee 77 (schräg gegenüber Völkerkundemuseum)

Das Programm

Frederic Chopin:
Mazurka op. 17 Nr.1
Mazurka op. 17 Nr.2
Sonate b-moll op. 35

Sofia Gubaidulina:
Chaconne für Klavier, 1963

Viktor Suslin:
Sonate für Klavier, 1968

Frederic Chopin:
Mazurka op. 17 Nr. 3
Mazurka op. 17 Nr. 4
Andante Spionato und Grande Polonaise brilliante op. 22

Der Pianist

1970 geboren, studierte Gallardo in seiner Heimat Buenos Aires. Als vielfacher Preisträger bedeutender Musikwettbewerbe ist er längst auf internationalen Bühnen zu Hause. Auf vielen Festivals lieferte er einen wichtigen Beitrag und glänzt in Solo-Konzerten ebenso, wie in kammermusikalischen Besetzungen als Ensemblemitglied.
Es ist “.. beeindruckend vor allem immer wieder die virtuose Fingerfertigkeit des Interpreten..” (Frankfurter Neue Presse) zu erleben. Er bereitet uns “…ein Feuerwerk wechselnder Gefühle…” (Berliner Kurier). Sein rhythmisch kraftvolles und präzises Spiel begeistert ebenso, wie seine ausgefeilte Sensibilität in leisen Passagen, die mit innerer Spannung vorgetragen werden. “Er ist ein Gentlemen-Pianist mit der subtilen, gleich wohl interpretatorisch reichen Reduktionskunst des Alleskönners.” (Süddeutsche Zeitung )

Die Kompositionen

Sofia Gubaidulinas Chaconne für Klavier ist ein erstes Auftragswerk, daß auf die spezifischen Fähigkeiten der Pianistin Marina Mdiwani, einer Schülerin von Emil Gilels, zugeschnitten wurde. Es ist gekennzeichnet durch kräftiges Akkordspiel und lebhaftes Temperament. So ist diese Chaconne ausgesprochen virtuos und kontrastreich aus Akkordvariationen aufgebaut, am Schluß gekrönt mit einer wuchtigen Dynamik.

Viktor Suslins Sonate besteht aus 2 Sätzen. Der Satz I ist ein Variationen-Satz, der zugleich eine dreiteilige Struktur hat. Der Satz II ist ein Präludium mit einer etwas unorthodoxen Doppelfuge und einem eingeschmolzenen Interludium. Das Präludium soll hier im ursprünglichsten Sinn des Wortes verstanden werden: Suchen und Finden des Fugenthemas. Obwohl das Werk natürlich nicht tonal im traditionellen Sinne ist, ist es unschwer herauszuhören, daß es in gewissem Maße von tonaler Gravitationslogik gesteuert ist. 1968 wurde die Sonate von Suslin selbst uraufgeführt. Sie ist seinem Lehrer Anatoli Wedernikov gewidmet, der dieses Werk in sein Repertoire aufnahm und häufig spielte. Das Werk wurde auch von verschiedenen Pianisten mehrmals in Europa und USA gespielt.

Die Komponisten

Sofia Gubaidulina wurde 1931 in Tschistopol (UDSSR) geboren, studierte in Kasan und Moskau und arbeitet als freischaffende Komponistin seit 1963. Inzwischen, in Deutschland lebend, ist sie eine der bedeutendsten und meistgespielten Komponistinnen in der Welt und wurde in den Orden “Pour le merit” aufgenommen. Ihre Musik, fast nie abstrakt, ist von inhaltlichem Hintergrund getragen: dichterische Texte, christliche Programmatik oder Mystik (Johannes-Passion, In croce, Sieben Worte).

Der am 13. Juni 1942 in Miass (UDSSR) geborene Viktor Suslin gehört wegen der Kriegsumstände zu einer zahlenmäßig kleinen Generation russischer Komponisten. Er begann zu einem Zeitpunkt selbständig zu arbeiten, als das politisch-kulturelle “Tauwetter” durch Brezhnjew im Oktober 1964 ein jähes Ende fand. Die Konsequenzen waren sehr bald spürbar und mehrere Aufführungsverbote seiner Musik in den 70er Jahren bewegten ihn schließlich zur Emigration.
Schon in seinen frühen Werken spricht Suslin eine durchaus selbständige Sprache. Minimalismus und Polystilistik sind ihm fremd und seine Musik steht deutlich außerhalb der Schostakowitsch-Tradition. Die Grundlage seiner Musik besteht im Pluralismus des Materials, nicht der Stile. Man kann auch eine klare Tendenz feststellen, jedem neuen Werk in kompositions-technischer Hinsicht Individualität zu verleihen.
Suslins Werke werden international häufig aufgeführt und sind seit 1979 regelmäßig bei verschiedenen Festivals zeitgenössischer Musik vertreten (Europa, Japan, USA, Rußland).